Reha Jugendliche und junge Erwachsene

Schule

Nachteilsausgleich bei Behinderung und chronischer Erkrankung

In der Klinikschule stellen wir immer wieder fest, dass herz- und krebskranke Kinder und Jugendliche krankheits- und therapiebedingt lange Zeit nicht oder nur eingeschränkt am Unterricht ihrer Heimatschule teilnehmen konnten.

Der sogenannte „Nachteilsausgleich“ unterstützt den Wiedereinstieg in den Schulalltag. Berücksichtigt werden sollte, dass ein Nachteilsausgleich immer individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Schülers abgestimmt wird. Notwendigkeit, Dauer, Art und Umfang eines Nachteilsausgleichs wird in enger Kooperation mit der Heimatschule, dem betroffenen Schüler und den Eltern ermittelt.

Seitens der Klinikschule bieten wir Beratung zu diesem Themengebiet an.

Rechtliche Grundlagen:

Grundgesetz Art. 3 Abs. 3 GG und Landesverfassungen: Benachteiligungsverbot; Gebot der Chancengleichheit

VV vom 8.3.1999: „Die Förderung von SchülerInnen mit Behinderung ist Aufgabe aller Schularten“

Informationsblatt des KM Baden-Württemberg vom 7.8.2002: „Notengebung für behinderte Schüler – Nachteilsausgleich“: „Lebenssachverhalte, die von ihrem Wesen her gleich sind, müssen gleich behandelt werden, bei Lebenssachverhalten, die von ihrem Wesen her ungleich sind, muss von Rechts wegen differenziert werden.“

Grundlage für die erforderliche Einzelfall-Einschätzung durch die Klassenkonferenz mit Beteiligung der Eltern: Feststellung der tatsächlich gegebenen Beeinträchtigungen und Belastungen (ärztliches Attest notwendig).

Rechtliche Voraussetzungen:

Die fachlichen Anforderungen der besuchten Schule (des gesamten Schulprofils) müssen auf Dauer erfüllt werden.

Die Grundsätze der Leistungsmessung müssen beachtet werden – dann wird die Behinderung/Erkrankung im Zeugnis nicht erwähnt.

Bei Abweichungen davon und „unvollständigen“ Zeugnissen kommt es auf die Abnehmer (Betriebe, Berufsfachschule, etc.) an.

Der Nachteilsausgleich in der Praxis

Im Folgenden werden einige Beispiele aus der Praxis genannt, bei denen Nachteilsausgleich für Schülerinnen und Schüler mit chronischen Erkrankungen von den jeweiligen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen (Schulleitung oder Klassenkonferenz) gewährt wurde – in Kooperation mit der Klinikschule Katharinenhöhe. Grundlage waren jeweils Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen, deren Eltern, den behandelnden Ärzten und den betreuenden Psychotherapeuten. Daraus leiteten sich die notwendigen Maßnahmen zur Erleichterung und zum Ausgleich der krankheitsbedingten Belastungen ab.

Diese Beispiele besitzen keine Allgemeingültigkeit.

Umsetzungsmöglichkeiten des Nachteilsausgleichs.

Hausunterricht, auch parallel zum (eingeschränkten) Schulbesuch (HausunterrichtsVO vom 8.8.83 § 1 [1], 4.) – Schulpflicht! –

Reduzierung der Hausaufgaben (z.B. Wegfall leichterer Aufgaben)

Kein Nachschreiben oder keine Benotung von Klassenarbeiten nach Fehlzeiten (nach vorheriger Absprache)

Sportnote nur für die Übungen, die uneingeschränkt möglich sind (dafür ein Sportattest mit genauen Einschränkungen) oder Teilnahme am Sport ohne Benotung

Zeitweiser Verbleib (1/2 bis 1 Jahr) in einer Klasse > probeweise Versetzung

Den Schülern sollte nicht nur die Teilnahme am Unterricht, sondern auch bei außerschulischen Veranstaltungen (Schullandheim, Ausflüge, Pausen, …) ermöglicht werden!

Eine schwierige Gratwanderung:
Einerseits so viel Sonderregelungen einzuräumen, wie von der Erkrankung her nötig sind, andererseits sollen und wollen sich die Betroffenen als „Schülerinnen und Schüler wie alle anderen auch“ sehen und so behandelt werden.