Katharinenhöhe

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"Schön, etwas Gutes tun zu können"

Heute sitzt Jonathan Preuß - hier mit seiner Vorgesetzten Alexandra Dufner - zum letzten Mal an der Rezeption der Rehabilitationsklinik Katharinenhöhe. Zwölf Monate lang war er Ansprechpartner für Anrufer wie für die Patienten und deren Angehörige.

Furtwangen 12.09.2012

"Schön, etwas Gutes tun zu können"

Morgen ist für Jonathan Preuß der letzte Tag auf der Katharinenhöhe. Damit endet für den 19-Jährigen eine Zeit, auf die er gerne zurückblickt: Er war der erste "Bufdi" der Rehabilitationsklinik.

"Der Wechsel von den Zivildienstleistenden zu den jungen Leuten, die im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes kommen, war schon ein gewisser Einschnitt für uns", stellt Alexandra Dufner fest. Sie ist nicht nur Chefin der Rezeption auf der "Katha", sondern dort auch Verantwortliche für die jungen Freiwilligen.

"Wir müssen schon ein wenig mehr für uns werben als in der Vergangenheit", sagt Dufner, "damit die Leute zu uns kommen." So bietet etwa die Jobbörse am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) dazu Gelegenheit, natürlich auch die Homepage der Klinik und Plakate, wie sie unter anderem in Villingen ausgehängt wurden.

Während nämlich die Aufenthaltsdauer für die Zivis fest geregelt war (und sich an der Dauer des Wehrdienstes orientierte), kommen die "Bufdis" eben wirklich freiwillig und können sich aussuchen, wie lange sie bleiben wollen.

Bei Jonathan waren das elf Monate, die er nach dem Abitur – er gehörte dem ersten G-8-Jahrgang am OHG an – eigentlich als "Zivi" auf der Katharinenhöhe verbringen wollte. Dies stand für ihn schon fest, als er dort oben vor vier Jahren ein einwöchiges Praktikum (BOGY) absolviert hatte. Nachdem es den Zivildienst nicht mehr gab, war für ihn klar, dass er nun eben im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes mit anpacken wollte.

Zu seinem Aufgabengebiet – und dem der vier anderen "Bufdis" auf der Katharinenhöhe – gehören in erster Linie der Dienst an der Rezeption sowie Fahrten für Patienten. Das kann mal die Begleitung eines Ausflugs der Reha-Gruppen sein oder, wenn es eilt, müssen die jungen Leute schon mal schnell nach Freiburg düsen, um dort eine dringend benötigte Blutkonserve abzuholen.

"Ohne Führerschein geht es nicht", sagt Alexandra Dufner. Und dieser Umstand bereitet ihr – mit Blick auf den Bundesfreiwilligendienst – gewisse Sorgen. Denn es gibt vermehrt Schulabgänger, die noch nicht volljährig sind, folglich nicht Auto fahren dürfen und damit als "Bufdis" für die Katharinenhöhe nicht in Frage kommen.

Über den Sommer entsteht ein personeller Engpass

Eine weitere Hürde bei der Besetzung der sechs Stellen, von denen derzeit eine vakant ist: Aufgrund der Beschränkung der "Bufdi"-Zahlen auf bestimmte Kontingente kann die Reha-Klinik nicht grundsätzlich darauf bauen, dass sie stets genügend dieser jungen Helferinnen oder Helfer zur Verfügung hat. "Die AWO, die unser Träger ist, bekommt eine gewisse Zahl von ›Bufdis‹ zugewiesen. Und die werden dann nach den örtlichen Bedürfnissen eingesetzt", erklärt Verwaltungsleiterin Ilona Mahamoud. Da könne es vorkommen, dass eine andere AWO-Einrichtung gegenüber der Katharinenhöhe bevorzugt wird.

Ein gewisser personeller Engpass bei den "Bufdis" ist auch der Grund, warum Jonathan Preuß seinen geplanten Aufenthalt um einen auf zwölf Monate verlängert hat. Nicht zuletzt wegen der freien Wahl der Dienstdauer werde es nun anscheinend gerade den Sommer über schwieriger, die Stellen zu besetzen, sagt Ilona Mahamoud. Allerdings äußert sie auch Verständnis, dass sich Schulabgänger erst einmal orientieren müssen, welchen Weg sie nach dem Abitur einschlagen wollen.

Auch Jonathan Preuß war sich vor gut einem Jahr nicht sicher, was er studieren sollte. Da passte sein Wunsch, auf die "Katha" zu gehen, ganz gut. Inzwischen steht für ihn fest, dass er zum Wintersemester in der Medieninformatik einsteigt – in seiner Heimatstadt Furtwangen.

Nicht wenige seiner Klassenkameraden, die ihn vor Jahresfrist noch belächelt hatten, weil sie Jonathans "Bufdi"-Wahl als verlorene Zeit abtaten, sind inzwischen schlauer. Manch einer habe den Ausbildungsweg, den er damals eingeschlagen hatte, schon wieder verlassen und stehe jetzt ziemlich ratlos da, berichtet Jonathan. Er dagegen ist sich sicher: "In diesen zwölf Monaten habe ich einen ersten Einblick ins richtige Leben bekommen". Dies deckt sich mit den Erfahrungen von Alexandra Dufner: "Die jungen Leute kommen häufig recht unbedarft zu uns. Nach Abschluss ihres Aufenthalts sind sie auf eine Art zu anderen, reiferen Menschen geworden."

Jonathan betont, er habe die freundliche, liebevolle und familiäre Atmosphäre in der Rehabilitationsklinik schätzen gelernt.

Vor allem aber freut er sich über die zahlreichen kleinen Erfolgserlebnisse. "Es ist schön zu sehen, dass man den Menschen etwas Gutes tun kann. Sie sind so dankbar und strahlen schon, wenn man ihnen auch nur einen kleinen Wunsch erfüllt – etwa eine Kopie anfertigt."

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