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Katharinenhöhe: Leser spenden über halbe Million

Die Familien und die Mitarbeiter sagen Danke.

Schönwald/Oberndorf - Gute Nachrichten sind derzeit rar. Deshalb freuen wir uns umso mehr, von einem sensationellen Ergebnis der Benefiz-Aktion für die Katharinenhöhe berichten zu können: Unsere Leser spendeten sage und schreibe 525 .730,56 Euro!

"Mit dieser Summe habe ich nicht gerechnet, wir sind immer noch alle überwältigt", sagt ein dankbarer Stephan Maier, Geschäftsführer der Katharinenhöhe. Leser des Schwarzwälder Boten und der Lahrer Zeitung waren von November vergangenen Jahres bis Ende Januar 2020 aufgerufen, für die Rehabilitationsklinik zu spenden. 6392 Buchungen kamen auf dem Sonderkonto an. Unter allen Lesern, die mehr als zehn Euro spendeten, wurden Preise des Europa-Parks sowie der "Wild Wings" verlost. Die 71 Gewinner werden in den kommenden Tagen persönlich benachrichtigt.

Die Spenden kamen aus dem ganzen Einzugsgebiet des Schwarzwälder Boten und der Lahrer Zeitung. "Es waren viele bekannte Namen darunter, aber auch viele Erstspender", erläutert Maier.

Das tolle Ergebnis von rund einer halben Million Euro sei in Corona-Zeiten "ein Zeichen der Hoffnung", so der Geschäftsführer. Denn ab Montag bleibt die Katharinenhöhe geschlossen. Für mehr als 100 Mitarbeiter wird Kurzarbeit beantragt. Ärzte und Pflegekräfte haben sich bereit erklärt, die Kollegen im Schwarzwald-Baar-Klinikum zu unterstützen, wenn dort medizinisches Personal knapp wird.

Anreise neuer Rehagruppe nicht zu verantworten

In den vergangenen Tagen habe noch ausgelassene Freude geherrscht. "Alle fühlen sich sicher und wohlbehütet. Doch wissen wir, dass die Schwarzwaldidylle trügerisch ist und alle Vorsichtsmaßnahmen nicht sicherstellen können, dass nicht doch das Virus die Patienten erreicht. Die Anreise einer neuen Rehagruppe mit immungeschwächten Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Bundesrepublik ist nicht zu verantworten. Doch schon jetzt fehlen mir die Kinder, Jugendlichen und Familien. Es graust mir vor der leeren Katharinenhöhe und auch uns können die wirtschaftlichen Folgen in Existenznot bringen, denn die Betriebsausfallversicherung bezahlt nichts. Umso mehr wünsche ich nicht nur der Katharinenhöhe, sondern allen Spendern und allen Menschen in der Nähe und Ferne Kraft, Energie und Gesundheit. Gemeinsam kann man viel schaffen, wie wir auf der Katharinenhöhe einmal mehr durch Ihr Engagement erfahren durften."

Während bei der ersten Spendenaktion 2018/2019 die Scheckübergabe mit einem wunderbaren Fest auf der Katharinenhöhe gefeiert werden konnte, ist in Corona-Zeiten alles ein bisschen anders und es musste auf eine offizielle Scheckübergabe verzichtet werden.

Dabei hatten die Patienten bereits das Rahmenprogramm vorbereitet: ein Lied wurde komponiert, eine Rede formuliert und die Kindergruppe hatte einen Tanz einstudiert.

Schicksalsschlag

Hier ein Auszug aus der nichtgehaltenen Rede von Gesa Marth: "Jede und jeder von uns hat eine schlimme und strapaziöse Zeit hinter sich. Wir kommen von unterschiedlichen Orten, haben andere Erkrankungen und persönliche Geschichten, aber dennoch von vornherein eine große Gemeinsamkeit: den Schicksalsschlag Krebs. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn man diese grauenvolle Nachricht erhält und die Welt für eine Zeit lang stillsteht. Die meisten von uns haben eine Chemotherapie, Bestrahlung, Operation oder andere Therapieformen durchgestanden und was die sozialen, finanziellen und psychischen Folgen angeht, kann jeder von uns unterschiedliche Geschichten berichten...Das Coronavirus vermittelt uns das Gefühl, noch enger zusammen zu rücken – sinnbildlich natürlich. Jetzt haben wir eine weitere gemeinsame Ebene: den Kampf gegen einen Virus als Hochrisikopatienten. Die geteilten Sorgen und das Bestreben danach, unsere gemeinsame Zeit die uns hier in der Rehaklinik noch bleibt bis aufs Letzte auskosten zu können. Im Unterschied zu unserer bisherigen Krebstherapie sind wir diesmal eine Gemeinschaft. Wir tauschen uns über Ängste und Sorgen aus, aber teilen auch mutmachende Worte und sind füreinander da. Gerade zum aktuellen Zeitpunkt würde ich an keinem Ort der Welt lieber sein wollen. Denn die Katharinenhöhe bietet das bestmögliche Umfeld: Wir sind abgeschirmt von der Außenwelt, können unsere Ängste und Sorgen sowohl mit unseren Betreuern, als auch in der Gruppe äußern und durch die geografische Lage ist einerseits eine gewisse Isolation geboten und dennoch können wir hier trotz eines Ausflugverbots problemlos draußen Sport machen oder Aktivitäten im Gebäudeinneren nachgehen. Dank Ihrer Spenden haben Menschen wie ich die Möglichkeit wieder ins Leben zu finden und ein einigermaßen normales Leben führen zu dürfen. Ohne die unglaublichen Förderungen wären unsere Aufenthalte nicht dieselben. Sie sind maßgeblich daran beteiligt, dass wir als Patienten in der Reha bestmöglich versorgt werden und Momente mit uns nach Hause nehmen, die für immer bleiben. Daher möchte ich mich im Namen aller Patienten herzlich bei Ihnen bedanken. Danke, dass Sie uns helfen, körperlich und seelisch fit nach Hause zu kommen mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Herzen voll von unvergesslichen Momenten."

Neubau einer modernen Physiotherapie

Die gespendeten 525. 730,56 Euro werden für einen dringend benötigten Neubau einer modernen Physiotherapie verwendet, denn gerade auch Kinder und junge Menschen mit starken Einschränkungen von Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag, finden seit Jahrzehnten auf der Katharinenhöhe eine hoch qualifizierte Therapie und neue Wege zurück ins Leben. Die Pläne seien derzeit im Entstehen. "Sie ändern sich immer wieder ein bisschen, da sich unsere Mitarbeiter einbringen, um die Gestaltung der Räume optimal an die Anforderungen anpassen zu können", so Maier. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2021 vorgesehen. "Wir starten erst dann, wenn der Entwurf in sich schlüssig ist und der Bauzeitenplan fix und fertig vorliegt", so das Versprechen des Geschäftsführers. Und wenn das Corona-Virus es zulässt.

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