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Rank übergibt seine letzte Spende

Viktor Rank habe mit seiner Konstanz und Ehrlichkeit über Jahre hinweg Vertrauen aufgebaut, das sich für die Patienten der Katharinenhöhe auszahle, würdigte Geschäftsführer Stephan Maier die Lebensleistung des emsigen Horber Sammlers anlässlich dessen letzter Spendenübergabe.

Horb. Ein Bündel von zwanzig Tausendern hätte sich Rank so gern als Erinnerungsbild gewünscht, doch die gibt es seit dem Abschied der D-Mark nicht mehr, selbst die 500er sind abgeschafft. Da blieb nur die bargeldlose Überweisung und ein liebevoll ausgefüllter Scheck von seiner Hausbank.

Maier hatte sich einen Arbeitstag für den zum Freund gewordenen Wohltäter frei gehalten, der auch ohne Geld stets willkommen bleibe, um die Auswirkungen seiner Spenden verfolgen zu können. Mit "einer Wahnsinnsleistung" habe Rank immer wieder Projekte ermöglicht, die zwar therapeutisch angebracht seien, von den Krankenkassen aber nicht finanziert würden. Ganz nach seinem Willen seien die Spenden ausschließlich der familienorientierten Therapie zugute gekommen.

Die Krebs- oder Herzerkrankung eines Kindes stelle nicht nur eine ungeheure Belastung für dieses selbst dar, sondern mache die ganze Familie vielfach orientierungs- und hilflos. Nach der mitunter äußerst schmerzhaften Akutbehandlung befähige die Rehabilitation in der Katharinenhöhe die Patienten mit ihren Eltern und Geschwistern, mit den Einschränkungen zu leben. Inzwischen seien bei Kindern 80 Prozent Heilungschancen zu erwarten, darum müssten sie auf einen Schulalltag, eine Lebensführung und Berufsorientierung vorbereitet werden, was seinem Haus in den vierwöchigen Reha-Maßnahmen gelinge.

Neben seiner Funktion als Geschäftsführer betreut Maier als psychosozialer Leiter die Familien "nicht nur vom Schreibtisch" und behandelt mit ihnen behutsam die belastenden Themen "Leben, Sterben und Tod". Dennoch herrsche im Haus eine überwiegend fröhliche Atmosphäre, da die Familien stets ganze vier Wochen zusammenblieben und sich über ihre Situationen austauschten. Eine Bowlingbahn sei bestimmt kein Heilmittel, und daher auch nicht von den Kostenträgern bezahlt, aber sie wirke ungeheuer gemeinschaftsfördernd, führe zu Erfolgserlebnissen und Hemmungsabbau an den Folgetagen. Da sei jede Spende, nicht nur aus dem Horber Raum wie von Rank und der Dießener Ranch, hoch willkommen.

Gegenüber 500 000 Neuerkrankten jährlich seien bundesweit 1750 Kinder mit Leukämie, Knochen- und Hirntumoren auf den ersten Blick wenig, doch bis 1985 hatte die Medizin keine Mittel gegen diese Krankheiten. Im Vergleich zu Erwachsenen bombardiere die Akutbehandlung die Kinder mit einer erheblich höheren Dosis an Gift, was mitunter zu Folgeschäden wie Amputation und Blindheit führe. Die Awo habe auf der Katharinenhöhe "als Exot angefangen" und in Pionierarbeit ihr Konzept aufgebaut, inzwischen habe sie ein hohes Ansehen erworben, was sich in häufigen Besuchen hoher Repräsentanten zeige. Die Deckelung der Grundlohnsummensteigerung mache dem Reha-Betrieb zu schaffen, so dass er trotz immenser Versicherungsbeiträge der Kranken- und Rentenkassen auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen sei, um etwas mehr an Lebensqualität zu schaffen.

Nach der Besuchsankündigung von Viktor Rank habe Physiotherapieleiterin Sandra Kuhn in den Katalog schauen dürfen und ein Gerät speziell zur Mobilisierung tumorkranker Kinder bestellt, was aus Eigenmitteln nicht machbar war. Mit ihren aus Kleinstbeträgen zu Riesensummen angewachsenen Spenden hätten die Käufer der Märkte ihr Vertrauen und Ehrerbietung vor der Leistung Viktor Ranks demonstriert. Über Jahre habe er sich immer wieder dorthin gestellt und eine beachtliche Öffentlichkeitswirkung erzielt.

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